Suche nach ‚falschem‘ Onkel aus Friesland endet 78 Jahre später in Ysselsteyn: ‚Krist Hoek‘ entpuppt sich als Hoeke Krist

De Limburger, Samstag, 4. Juni 2022 | von Leon Janssen

Hoeke Krist in Waffen-SS-Uniform,
im Rang eines SS-Schützen. (eingefärbt)

Bruder und Schwester trösten sich nach 78 Jahren. Bild: Stefan Koopmans

Der junge Friese Hoeke Krist meldete sich während des Krieges freiwillig bei der deutschen SS. Im Oktober 1944 wurde er ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. In Unkenntnis dieses Schicksals suchte seine Familie seither nach ihm.

Auf dem deutschen Friedhof in Ysselsteyn steht der 65-jährige Hoeke Krist am Grab seines Onkels mit demselben Namen. Der ehemalige Polizist aus der Nähe von Dokkum erinnert sich gut daran, dass er in seiner Jugend mit seinem Vater und seiner Mutter deutsche Friedhöfe im In- und Ausland besucht hat. In der deutschen Eifel und in Bastogne in Belgien. Er besuchte Ysselsteyn auch mehrmals mit seinen Eltern. Er hoffte, dort das Grab seines Onkels zu finden oder einen Hinweis darauf zu bekommen, was mit ihm geschehen war und ob er noch am Leben war. Die Suche war erfolglos.

Grabkreuz
Bis er eine Nachricht von Fred van den Munckhof und Richard Schoutissen von der Stiftung für Kriegsopfer in Deurne erhielt. Sie hatten auf dem Friedhof in Ysselsteyn ein Grabkreuz mit dem Namen Krist Hoek gefunden. Sie haben eine Untersuchung über den Mann, der dahinter steckt, eingeleitet. Bei der Durchsicht verschiedener Archive stießen sie auf einen alten Polizeibericht aus Lunteren in Gelderland. In diesem Bericht stand jedoch der Name Hoeke Krist und nicht Krist Hoek, wie auf dem Kreuz. Hoeke Krist war der Sohn eines armen Torfbauern in Nij Beets in Friesland. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich freiwillig für die gefürchteten deutschen SS-Truppen. „Dort wurde er dem NSKK, dem Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps, zugeteilt“, sagt Van den Munckhof, „er war also wahrscheinlich ein Fahrer. Am Dolle Dinsdag (Verrückter Dienstag), als alle glaubten, die Niederlande seien bald befreit, zog Krist seine Uniform aus und meldete sich bei einem Bauern in Lunteren, um unterzutauchen. Man erlaubte ihm, dort zu bleiben, aber als die Befreiung noch ausstand, begann er, verdächtige Fragen zu stellen. Zum Beispiel dort, wo sich jüdische Menschen versteckt hielten. Der Landwirt rief daraufhin die Internen Verteidigungskräfte an. Kurz vor seinem Tod fragte Krist, ob er einen Brief an seine Eltern schreiben könne“, weiß Van den Munckhof aus dem Polizeibericht. „Das war erlaubt, aber der Brief wurde nie abgeschickt und wurde zerrissen. Jahre nach dem Krieg wurden die Überreste exhumiert und nach Ysselsteyn gebracht. Und nun, fast 78 Jahre später, stehen Hoeke Krist, seine Schwester Sietske und ihr Mann am Grab ihres Onkels. „Wir wissen, dass er sich während des Krieges ‚geirrt‘ hat“, sagt Krist..

Dankbar
„Wir haben uns dafür geschämt. Aber all die Jahre haben wir immer wieder daran gedacht, was mit Onkel Hoeke passiert ist. Mit Opa, meinem Vater und auch mit uns. Das hat uns berührt. Großvater, der in unserem Haus wohnte, beging Selbstmord; er konnte es nicht verkraften. Der Vater starb 2002. Wir sind sehr froh, dass unser Onkel gefunden wurde. Dafür sind wir sehr dankbar. Dies ist das Wiedersehen, auf das wir uns seit Jahren gefreut haben. Es geht einem viel durch den Kopf. Und warum es so lange dauern musste. Wir hätten Opa und Papa gerne gesagt, dass wir ihn endlich gefunden haben. „Das habe ich gerade gemacht, als wir am Kreuz standen“, flüstert Sietske.

Die Familie legte Blumen und Fotos der Eltern, des Bruders und der Schwester von Hoeke Krist.
Auf dem Kreuz der falsche Name. Bild: Stefan Koopmans