Der letzte Einsatz der Einheit Stielau.

Um die Angehörigen zu schützen werden nicht alle, mir zur Verfügung stehenden, Informationen und Quellen geteilt. Es soll vermieden werden das Angehörige zu leicht gefunden werden. Die Familien haben das Recht in Ruhe gelassen zu werden. Google ist ein mächtiges Instrument, dem nur so entgegen gewirkt werden kann.

Herbert Petter

Die Berufswahl 
Im Zeitraum von 1932 bis 1937 durchlief Herbert Petter eine Ausbildung in einem Londoner Hotel. Anlässlich des Todes seines Vaters kehrte Petter Anfang Dezember 1937 nach Hause zurück. Ab da, mit einer kurzen Unterbrechung, führte er das Hotel der Familie als Geschäftsführer.

Der militärische Werdegang 
Aus Archivmaterial geht hervor, dass Herbert Petter ab November 1938 beim Reichsarbeitsdienst (R.A.D.) Dienst tat. Petter war dort Gruppenführer (Obervormann). 
Ab 01. Oktober 1939 bis Mai 1940 diente er bei einer Luftwaffen-Bau-Kompanie im bayerischen Mettenheim. 
Zwischen 1940 und 1941 machte Petter seinen Flugschein. Im selben Zeitraum ging er zur Schule und machte das Abitur. Von Mai 1941 bis März 1942 besuchte er die Bordfunkerschule in Pocking und anschließend bis Dezember 1942 die Stukaschule in Kitzingen. 
Ab Dezember 1942 bis Oktober 1944 diente Petter als Flugzeugführer und Bordfunker bei drei Stuka-Geschwadern: II, 77 und I. 
Nach eigenen Angaben wurde er drei Mal abgeschossen. 
Er flog 315 Kampfeinsätze und absolvierte dazu noch 490 Flüge mit unterschiedlichen Aufgaben.

Beförderungen: Januar 1941, Unteroffizier. Juni 1941 Fahnenjunker (Uffz.), April 1943, Fahnenjunker, (Feldwebel), 1945 Feb. – April Standarten Oberjunker, Oberscharführer. 

Ehrenzeichen: Mai 1944, Eiserne Kreuz II Kl.. Eiserne Kreuz I Kl. . Frontflugspange , Bronze, Silber, Gold, mit Anhänger. Mündliche Verleihung des Deutschen Kreuz in Gold. Ein Antrag wurde eingereicht, mehr wurde aber nicht draus. Alle Angaben stammen von Herbert Petter selber.  

Panzerbrigade 150 
Nach Angaben von Herbert Petter wurde er im Oktober 1944 zur Panzerbrigade 150 abkommandiert. Petter bekam die Aufgabe ein Team der Kommandokompanie zu leiten. 

Dazu gibt es eine Menge zu berichten. 

Anfang 1951 berichtete „Der Spiegel“ (2/1951) von den Kriegserinnerungen des Heinz Rohde bei der Kommandokompanie der Panzerbrigade 150. Rohde beschreibt dort unter anderem einen Einsatz im Januar 1945. Rohde war in seiner Version der Anführer eines dreiköpfigen Teams das im Januar zu Fuß losgeschickt wurde, nachdem sie mit einem LKW an einer bestimmten Stelle abgesetzt worden waren. Rohde nannte auch die Namen der anderen Mitglieder. Es waren Unteroffizier Moorhaupt und Oberleutnant Petter, der laut Rohde, Archäologe von Beruf war. Laut Rohde gab es zwei Drei-Mann-Teams und ein Vier-Mann Team. 

Herbert Petter, der im Prozess gegen Skorzeny als Zeuge aussagte, beschrieb in seinen Ausführungen dieselbe Aufklärungsmission die später von Rohde beschrieben wurde. Beide, Petter und Rohde, legen den Zeitpunkt der Operation um den 12. Januar 1945 fest. Nach Petter fängt es zwischen 00.00 – 02.00 Uhr an. Petter nennt im Verlauf der Erzählung nur den Namen seines Speakers, es ist Mohaupt, und nicht wie bei Rohde Moorhaupt. Er bestätigte dass alle amerikanische Uniformen trugen. Sowohl Petter als auch Rohde nennen die Namen der anderen Teamleiter. Es waren Stielau und Schmidt (Schreibweise unklar). Rohde erzählte das Schmidt von der Marine kam, er nannte den Rang des Kapitänleutnants. Petter nennt Schmidt u. Stielau das eine mal Oberleutnant das andere mal Obersturmführer.

Einig sind sich beide Erzähler beim Wetter, in der Nacht war es sehr kalt. 

Das beide denselben Einsatz beschreiben ist eindeutig. Die drei Teams wurden mit unterschiedlichen Aufklärungs-Aufträgen in verschiedene Gebiete losgeschickt. Bei der Mission kam Schmidt ums Leben, er fiel bei einem Schusswechsel. Der Tod von Schmidt wird von weiteren Personen bestätigt. 

Die Zeugenaussage von Herbert Petter ist nachzulesen in der Prozessakte „U.S. v.s. Skorzeny et all“ (M1106). Hier nun einige Anekdoten der, von beiden beschriebenen, Aufklärungsmission. 

Die Geschehnisse wie Herbert Petter sie beschrieb: 
– Petter war mit seinem Team eine halbe Stunde zu Fuß unterwegs als sie von einem amerikanischen Feldposten nach dem Passwort gefragt wurden. Mohaupt, der Sprecher der Gruppe (er hatte 10 Jahre in den USA gelebt) antwortete, dass sie vom 32. Infanterie Regiment seien und auf einer Sondermission sind. Der Grund das Mohaupt die 32. Infanterie nannte lag, laut Petter, daran das die Gruppe in das Gebiet der 81nd und 82nd. Airborn eingedrungen war. Diese US-Einheiten befänden sich nördlich, während das 32., 31. und 101. Regiment im Südwesten lagen. Der Deutsche Kommandotrupp trug Uniformen des 32. Infanterie Regiments. Der Wachposten wurde nicht misstrauisch und lies die Gruppe weiter gehen. Hier muss ich nun doch einmal kurz in die Erzählung eingreifen. Herbert Petter macht nämlich einen Fehler. Ein Fehler von dem auch bei Rohde die Rede ist. Die 81nd Airborn Divison gibt es nämlich nicht. Rohde begründet dies mit der schlechten Vorbereitung der Operation Greif. Wie wir heute wissen gab es mehrere solcher Patzer.

– Etwa 4 Stunden später erreichte die Gruppe wieder einen Posten der Amerikaner. Da Petter wusste was jetzt kommen würde, und er das Passwort nicht kannte rief er schon aus der Ferne “Password“? Sofort antwortete der Posten “Appel“. Petter gab sein o.k. und fragte den Posten noch nach der nächstgelegenen Ortschaft. Der Amerikaner gab die gewünschte Auskunft. “Go ahead, two miles“.
– Etwa um 5.30 Uhr traf die Gruppe wieder einen amerikanischen Soldaten. Dieser begrüßte die Gruppe mit einem “Good Morning“, die Gruppe antwortete ebenfalls mit einem “Good Morning“, unmittelbar danach tauchte das Team ins Gebüsch ab. 

Herbert Petter u. Otto Skorzeny
Nach dem Ende der Panzerbrigade 150 und der dazugehörigen Kommandoeinheit landete Herbert Petter Ende Januar 1945 bei der Waffen-SS Division Schwedt, Jagdverband-Mitte, also wieder bei Skorzeny. Petter zeigte sich später, den Amerikanern gegenüber, als treuer Anhänger von Skorzeny. Er (Skorzeny) sei der beste Soldat dem er je begegnet sei.

Unmittelbar nach dem Rückzug beim Brückenkopf Schwedt und dem gebotenen Wiederstand beim Brückenkopf Zehden floh Petter am 29.03.1945, schwimmend durch die Oder. 

Schnell landete er bei der Sturmgeschütz-Brigade 120. In Annaberg wurde von Skorzeny das 300 – 500 Mann starke „Schützenkorps Alpenland“ aufgestellt. Und Petter war einer von ihnen. Weil Herbert Petter englisch sprach wurde ihm mitgeteilt das er sich zur Verfügung von Skorzeny halten müsse. Er würde möglicherweise gebraucht bei Verhandlungen mit den Alliierten. 

Was draus wurde zeigen die Dokumente nicht auf.

Herbert Petter wurde, zusammen mit Skorzeny und SS-Sturmführer Radl, am 16. Mai 1945 vom 307th CIC Det. 7th Army [ 3rd U.S. Inf. Div.], festgenommen. 1947 wurde Petter freigelassen.

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Heinz Rode
Der militärischer Werdegang von Heinz Rohde verlief zusammengefasst wie folgt:

1939:  4./ Panzerkorps-Nachrichten-Abteilung 50
1941:  4./ Panzerkorps-Nachrichten-Abteilung 447
1942:  4./ Kradschützen-Bataillon 34
1942:  4./ Kradschützen-Bataillon 17
1943:  4./ Kradschützen-Bataillon 17 
1943:  2./ Marschkompanie-Nachrichten-Ersatz-Abteilung 20
1944:  Ab Anfang August, 2./ Nachrichten-Abteilung 26 (Zugang von Heeresgruppen-Nachrichtenschule Nordukraine).
> Abgang zum Grenadier-Ersatz-Bataillon 77. 
Auch hier keine Spur von der Einheit Stielau.

Berufswahl
Nach eigenen Angaben war Heinz Rohde vom September 1937 bis Ende Oktober 1938 Angehöriger des RAD, zuletzt als Obertruppführer.
Er war dem RAD berufsmässig angehörig. 
Heinz Rohde ist im November 1938 als Freiwilliger zur Wehrmacht gegangen. 

Beförderung
Anfang Juni 1941 wurde Rohde zum Unteroffizier befördert. 

Ehrenzeichen
Am 20 Februar 1945 bekam Heinz Rohde als Angehöriger des Sonderkommando „Schwert“/Kampfgruppe “Solar“ das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

Zum vollständigen Artikel „Kriegserinnerungen mit Shakespeare-Englisch geht es hier.

Heinz Rohdes Sicht auf den letzten Einsatz der Einheit Stielau: 
– Die drei Teams sollten sich, nachdem der erste amerikanische Posten passiert worden war, trennen um ihre Aufträge durchzuführen. Auf einmal sah Rohde wie Stielau in die Knie ging und sich in den Schnee legte, dann aber aufstand und mit seinem Team auf einen etwa 60 Meter entfernten dunklen Streifen zu ging. Im gleichen Moment wurde Rohde von einem der Amerikaner angerufen: “Who are you”? 

Moorhaupt ging zu ihm und erklärte das sie von der 81nd Airborn Division seien auf Aufklärungsmission sind und ihre Einheit suchen.
Der Amerikaner fragte nach: „81 oder 82“? Moorhaupt antwortete: „No 81“. Während der Vorbereitungen zur Mission war den Leuten eingeschärft worden, wenn sie angehalten würden, sie sich als Mitglieder der 81nd Airborn Division ausgeben sollten. Sie hätten einen Auftrag für Captain Keatner von der
E-Kompanie der 81nd Airborn Division durchzuführen. Rohde bemerkt dazu das es keine 82nd Airborne Division gab. Im Artikel des Spiegels ist also ein Schreibfehler, denn laut Rohde gab es keine 82nd Airborn Division und das würde zeigen wie schlecht die Vorbereitungen gewesen sind. Es gab jedoch sehr wohl die 82nd Airborn Division, die 81nd Airborn Division gab es dagegen nicht. Das erklärt auch warum den Artikel an der Stelle etwas klemmt.
Der Amerikaner bemerkte also nicht das ihm eine nicht existierende Einheit genannt wurde. Er zeigte Ihnen noch den Weg und die Gruppe zog weiter. 

– Etwas später wurde der Spähtrupp abermals von einem amerikanischen Posten gestoppt, und nach dem Passwort gefragt. Moorhaupt sagte dem Posten das sie sich verlaufen hätten, das akzeptierte der Posten. Das Team hatte abermals Glück. 

Auf dem Rückweg, in der darauf folgenden Nacht, gab es, so Rohde, weitere Treffen mit Angehörigen der US-Army. Petter erwähnt diese in seiner Aussage aber nicht. 
Es ist kaum möglich festzustellen was sich damals tatsächlich abgespielt hat, wie die Unterschiede zwischen den Erzählungen zu Stande gekommen sind. 
Hat der Faktor Zeit Rohde einen Streich gespielt? 
Oder waren es Petters Erinnerungen die Fehlerhaft waren? 
Wir werden es wohl nie erfahren. 
Eines steht fest, dieses war die letzte Mission der Einheit Stielau.