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NameBilling
VornameGünter Joachim
RufnameGünter
RangNicht eindeutig geklärt, siehe Militärischer Werdegang.
Alias Rang / NameK.A. / Charles W. Laurence
Geboren09.04.1923 in Naumburg/Saale
(Sachsen – Anhalt)
Gestorben / Hingerichtet23.12.1944 in Henri-Chapelle, Belgien
Grablage
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Erstbestattung in Henri-Chapelle/Belgien.
Später umgebettet auf die Deutsche Kriegsgräberstätte Lommel/Belgien, Block 24 / Grab 471.
Erkennungsmarke / MarinestammrollennummerN 17/41KS
TeamkameradenManfred Pernass, Wilhelm Schmidt
Datum & Ort Gefangennahme18.12.1944 in/bei Aywaille
AuszeichnungenEK. II Kl. am 30.03.1942
Kriegsabzeichen für Minensuch-, U-Bootjagd und Sicherheitsverbände, am 25.04.1942
Deutsches Reichssportabzeichen, am 05.01.1944
Letzte EinheitPanzerbrigade 150 Einheit Stielau / Stab Solar
VaterHerbert Arno Billing, geb.in Naumburg/Saale
Beruf, VaterFabrikant, Wollwaren
MutterLouise Auguste Friederike Billing, geb. Steinbach, geb.in Naumburg/Saale
Beruf, MutterHausfrau

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NSDAP
Eine Mitgliedschaft der NSDAP konnte vom Bundesarchiv in Berlin nicht festegestellt werden. Weder von den Eltern, noch für Günter Billing.

Seit dem 01.09.1933 gehörte Günter Billing der Hitlerjugend an und tat zuletzt Dienst in der Marinegefolgschaft 1/203 Passendorf (Halle).

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Günter Billing. Ohne weitere Angaben im Führungsbuch.
Quelle: Deutsche Dienststelle (WASt) Berlin.

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Ausbildung
Von Ostern 1929 – Ostern 1933 besuchte Günter Billing die Grundschule in Naumburg/Saale.

Er wurde danach in die Walter-Flex-Oberschule eingeschult, die er bis 1940 – 8.Klasse (sprachliche Abteilung), besuchte.
Er erlangte dort sein Reifezeugnis.

Dem Führungsbuch ist zu entnehmen das Günter Billing Schul-Englisch und ebenfalls Schul-Französisch beherrscht.

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Zeitraum…….Kommando, StandortVerwendung
03.10.1940
03.11.1940
RAD-Abteilung K3/Passendorf (Halle)Arbeitsmann
11.01.1941
31.03.1941
4.Kompanie Marinestammabteilung BrakeRekrut
01.04.1941
17.05.1941
Durchgangskompanie Kommandant in Abschnitt WangeroogeRekrut
18.05.1941
30.06.1941
8.Batterie Marineflakabteilung 246, OosterendFront
01.07.1941
17.07.1941
4.Batterie Marineflakabteilung 201, Wijk aan ZeeDurchgang
18.07.1941
30.09.1941
16.Minensuchflottille Minensuchboot  M1601An Deck, Anrichtgast
01.10.1941
04.01.1942
1.Kompanie Marinenachrichtenschule, AurichFunkgastenlehrgang
05.01.1942
01.05.1942
16.Minensuchflottille Minensuchboot  M1601Funkgefreiter
02.05.1942
27.06.1942
3.Kompanie 1.Marineunteroffizierlehrabteilung, GlücksburgReserveoffiziersanwärter-Unteroffizierslehrgang
28.06.1942
31.08.1942
16.Minensuchflottille Minensuchboot  M1601Stationsältester
01.09.1942
28.11.1942
2.Kompanie Marinenachrichtenschule, MürwikReserveoffizier-Nachwuchs Marinenachrichtenlehrgang
29.11.1942
25.03.1943
6.Minensuchflottille Minensuchboot M3,Royan (laut Führungsbuch  M39)Stellvertretender Stationsleiter
26.03.1943
06.04.1943
6.Minensuchflottille Minensuchboot M206, Royan
07.04.1943
16.06.1943
10.Kompanie 2.Abteilung Marinekriegschule, GlücksburgMilitärischer Offiziers-lehrgang für Reserveoffizieranwärter
17.06.1943
13.10.1943
Marinenachrichtenschule, MürwikFunktechnischer, Offizierslehrgang
14.10.1943
14.05.1944
Kommandierender Admiral Adria 1 Marinenachtrichtenabt.(motorisiert) Marinenachrichtenoffizier, Belgrad. Später Abbazia3. Marinenachrichtenoffizier. Später Befehlsübermittler im Lagezimmer
15.05.1944
07.09.1944
Marinenachrichtenoffizier Triest4. Marinenachrichtenoffizier ab 23.08.1944 Dienststellen- Leiter einer Marinefunkstelle

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Beförderungen
01.01.1942 Funkgefreiter
01.04.1942 Ernennung zum Reserveoffiziersanwärter
01.06.1942 Überzähliger Funkmaat
01.08.1942 Überplanmäßiger Funkmaat
01.01.1943 Planmäßiger Funkmaat d. R.
20.03.1943 Fähnrich (MN) d. R.
01.06.1943 Fähnrich (MN) d. R. mit Portepee
01.10.1943 Oberfähnrich (MN) d. R.
01.09.1944 Leutnant (MN) d. R., Rangdienstalter: 01.06.1944

In den Unterlagen der WASt erscheint Günter Billing erst wieder am 23.12.1944 bei der Panzerbrigade 150.
Laut US-Reports des Washingtoner Nationalarchives (NARA) ist Günter Billing als Oberfaehnrich des Marine Nachrichtendienstes zu den Vorbereitungen der Operation Greif gestossen.

Anmerkung zum Rang von Günter Billing.
Laut Deutsche Dienst war Günter Billing Leutnant der Reserve.
Es muss bemerkt werden das aus keiner weiteren Quelle hervor geht das Günter Billing den Rang des Leutnants erreicht hat. Im Gegenteil.
Das Todesurteil wurde gegen den Oberfähnrich Billing verhängt.
Die Glaubwürdigkeit davon hängt damit zusammen das ein in Gefangenschaft geratener Soldat seinen Rang preisgeben muss.
Was hätte Günter Billing davon seinen Rang als Leutnant zu verleugnen?
Eine Notiz in französischer Sprache die mit der Todesnachricht zusammenhängt und vom Internationalen Roten Kreuz in Genf stammt nennt ebenfalls den Rang des Oberfähnrich. Das letzte vorhandene Zeugnis (F.T.O. Zeugnis) vom 13.10. 1943 (Siehe unten) benennt den Rang des Fähnrich MN der Reserve.

Beurteilungen
Es sollen hier nun einige Beurteilungen aus dem Führungsbuch von Günter Billing auszugsweise zitiert werden. Die Beurteilungen zeigen einen willigen, pflichtbewussten Deutschen Marinesoldaten.

Am 28.02.1941 wurde zunächst erwähnt:
„Im Innendienst zeigt er genügend Leistung muss aber öfter angespornt werden“.

Am 16.05.1941 dann:
„B. zeigt im I. Dienst und Unterricht genügend Leistungen muss jedoch etwas scharf angefasst werden. Seine Stoffe beherrscht er. Im Zeugdienst sauber. Etwas empfindlicher Soldat“.

Danach verbesserten sich die Beurteilungen sprunghaft.

Am 30.06.1941 wurde Ihm die Eignung zum ROA zugestanden.
Seine Theoretische und praktisch Leistungen seien von „ziemlich gut bis gut“.
Die guten Beurteilungen hielten weiterhin an.

In seiner Beurteilung vom 04.01.1942 steht u. a. folgendes :
„B. war weitaus der beste Schüler der Gruppe. Seine Leistungen sind in jedem Fach mit gut zu bewerten, zeigte großes Interesse an den Funkeraufgaben und arbeitete stets aufmerksam mit“.

Am 31.08.1942 steht in seiner Beurteilung folgendes:
„B. hat als Stationsältester sehr zuverlässig gearbeitet. Er besitzt gute theoretische Fachkenntnisse und praktische Erfahrungen bei Gerätereparaturen. Im Funksignal- und Schlüsseldienst gute Kenntnisse. War stets seinen Kameraden ein Vorbild.“
Zu seinen allgemeinen militärischen Leistungen und Eigenschaften heisst es:
„Straffes militärisches Auftreten in und ausser Dienst. Versteht sich durchzusetzen und gibt den Untergebenen ein gutes Beispiel.“
Charakter und Anlagen:
Anständiger, bescheidener Charakter mit guter Begabung. Stets einsatzfreudig und diensteifrig. Gesunder Ehrgeiz. Bei den Kameraden beliebt.

Am 28.11.1942 beurteilt sein Zug-Offizier ihn wie folgt:
„B. zeigte Interesse und freudige Mitarbeit bei jedem Unterricht. In Funktechnik bildete er sich selbständig weiter, sodass er hier Überdurchschnittliche Leistungen erzielte. Im Nachrichtendienst und im Schlüsseln sind seine Kenntnisse gefestigt. Besitzt auf allen Fachgebieten guten Überblick. Gute Leistungen.”
Zu seinen allgemeinen militärischen Leistungen und Eigenschaften wird ihm folgendes bescheinigt:
„In der Front tritt er frisch und militärisch auf. Das Benehmen Vorgesetzten gegenüber ist taktvoll und sicher, muss sich jedoch vor Überheblichkeit hüten. Als Vorgesetzter muss B. seine Kommandosprache und Sicherheit vor der Front schulen. Besitzt gute Veranlagunge zur Anleitung Untergebener.“
Charakterlich wird Günther Billing wie folgt beschrieben:
„Ruhiger, besinnlicher Charakter, der sich selbst in jeder Lage in der Gewalt hat. Zeigt Pflichtbewusstsein und war ernsthaft bestrebt Gutes zu leisten. Seine Veranlagung ist vielseitig, sein Wesen humorvoll. Die guten fachlichen und militärischen Leistungen befähigen ihn ganz besonders zum ROA!“

Am 17.06.1943 hieß es:
„Williger Soldat mit guten militärischen Formen. Ist immer bereit und immer darauf bedacht, die ihm gestellten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit auszuführen“. “Vor der Front tritt er frisch auf und hat Übersicht. Im Unterricht zeigt er eine gute Auffassungsgabe und ist gewandt im Vortrag. In der Seemannsschaft arbeitet er umsichtig.” Zu seinen charakterlichen Anlagen heisste es: “Anständiger, ehrlicher Soldat mit einem ruhigen Wesen. Seine soldatische Einstellung und seine Dienstauffassung sind gut.. B. ist geistvoll und klug. Körperlich gut veranlagt.”

Am 15.10.1943 wird erwähnt: „….durch Rege Mitarbeit und gleichbleibenden Fleiß erzielte B. in allen Fachzweigen ziemlich gute Leistungen. Unterstützt durch seine gute Allgemeinbildung erwarb er sich umfangreiche Kenntnisse im Marinenachrichtendienst. Zum Nachrichtenoffizier daher gut geeignet“.

Im November 1943, zugleich der letzte Eintrag in seinem Führungsbuch, war Günter Billing dann doch einmal negativ aufgefallen.

Am 26.11.1943 bekam er folgenden Eintrag in sein Führungsbuch:
3 Tage Stubenarrest
Grund: „Hat am 26.11.1943 einen vom Chef Admiral Adria ausgesendeten Funkspruch als F.T.O. der Wache eigenmächtig, unter Auslassung der Regeln, gekürzt, sodass der Funkspruch nochmals neu gesendet werden musste“.

Weitere Zeugnisse u. Unterlagen sowie der handschriftlich geschriebene Lebenslauf von Günter Billing befinden sich ebenfalls in seinem Führungsbuch. Quelle: Deutsche Dienststelle (WASt).

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Von Günter Billing liegen keine Lazarettaufenthalte vor.

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Stadtarchiv Naumburg Saale
Die aus Naumburg vorhandene Sterbeurkunde (195) wurde dort am 13.03.1948 auf Grund schriftlicher Anzeige, vom 05.03.1948, der Abwicklungsstelle der Deutschen Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht ausgestellt. Als Todesort wurde der Raum Malmedy angegeben.
„Erschossen auf Befehl der amerikanischen Militärkommission“ gab man als Todesursache an.

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Das Todesurteil

Das Todesurteil gegen Günter Billing und seinen Kameraden so wie es sich in der Dachauer Prozessakte von Otto Skorzeny befindet.
Quelle: BayHStA, Dachauer Kriegsverbrecherprozesse M1106

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Deutsche Dienststelle (WASt)
Günter Billing hat nach Auskunft der Deutschen Dienststelle den englischen Landeversuch am 28./29.03.1942 in St. Nazaire miterlebt.

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Auskünfte des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) in Genf
(International Committee of the Red Cross, ICRC)

Für die meisten der hingerichteten Soldaten wurden „Death Certificate“ von der Zentralstelle für Kriegsgefangene im Archiv des Internationalen Roten Kreuz in Genf nachgewiesen. In Genf fehlten die Scheine von drei der hingerichteten Soldaten. Alle vorhandenen Scheine liegen dem Autor vor. Entweder aus dem Archiv in Genf oder aus Familienbesitz. Bis auf einem der vorhandenen Scheine sind alle Scheine über das Rote Kreuz gelaufen. Von dem unverhofft aufgetauchtem Totenschein von Rolf Meyer wurde eine Kopie an das Rote Kreuz in Genf geschickt.

Der Totenschein von Günter Billing ist beim Roten Kreuz in Genf registriert unter RAD 96559. RAD steht für „Renseignements Allemands Décédés“ was soviel heisst wie Information deutscher Tote. Totenscheine die über das Rote Kreuz in Genf gelaufen sind kann man daran erkennen das diese rechts oben eine RAD-Nummer haben. Fehlt diese RAD-Nummer muss der Schein anderswo her kommen.
Die Totenscheine aus Genf beinhalten dieselben Daten wie ein heute üblicher Totenschein. Darüber hinaus werden Angaben militärischer Art gemacht. Unter anderem wird nach der Einheit und Erkennungszeichen des toten Soldaten gefragt. Das heisst leider nicht das diese Informationen auch tatsächlich angegeben wurden. Es handelt sich bei den Scheinen um durch Unterschrift beglaubigte Duplikate, mit Schreibmaschine ausgefüllt. Unterschrieben und beglaubigt wurden die meisten der Scheine von Charles G. Lauer, US WD Civilian Director PWIB. Weiterhin werden namentlich genannt: Josef Eiser, Capt. MC und Louis Siegel, 1st Lt. CMP. Die zwei Ausnahmen auf diese Regel sind die Scheine von Rolf Meyer und Otto Struller.

Neben den vollständigen Personalien sowie Geburtsdaten und Sterbedaten sollten die Einheit, Registrierungsnummer oder Inschrift der Erkennungsmarke genannt werden. Im Fall von Günter Billing fehlen die Angaben zu den Geburtsdaten. Der Schein bestätigt das Günter Billing Mitglied der Einheit Stielau, Hauptquartier Solar war. Natürlich wurden die Scheine in Englischer Sprache ausgefüllt.
Auf den Scheinen werden dann die Anschrift der Angehörigen und falls zutreffend Daten der Eheschliessung des betreffenden Soldaten genannt. Im Fall von Günter Billing fehlt die Anschrift der Angehörigen, und da nicht zutreffend Daten der Eheschliessung. Auf dem Schein sollten Angaben gemacht werden wann und wo der Verstorbene Kriegsgefangene in Gefangenschaft geraten ist. Auch diese Angaben fehlen auf dem Schein von Günter Billing. Bei der Todesursache steht „Musketry“, Musketen. Als Ort der Bestattung wird auf alle vorhandenen Scheine der „American Military Cemetry“ in Henri-Chapelle angegeben. Günter Billing wurde dort am 23.12.1944 bestattet. Zunächst wurden auf dem Friedhof in Henri-Chapelle alle Deutschen Soldaten aus dem Raum bestattet. Diese wurden später auf den Deutschen Soldatenfriedhof in Lommel umgebettet. Wobei es gut möglich ist das Soldaten auch auf andere Friedhöfe überführt wurden. Nach welchem Kriterium damals die Toten verteilt wurden ist nicht recherchiert worden. Auf dem Totenschein folgt die Grablage auf dem Friedhof in Henri-Chapelle und es wird vermerkt das es keine persönlichen Eigentume des Verstorbenen gibt. Unter Punkt 13 wird eine kurze Erklärung zu den Umständen des Todes gegeben
Da heisst es: „Executed by order of Military Commission for acting as spy in US Army uniform”. Hingerichtet auf Befehl der Militär Kommission wegen Spionage in Uniform der US Armee. Charles G. Lauer hat als einziger diesen Schein unterschrieben, es fehlt allerdings ein Datum. Damit ist nicht fest zu stellen wann dieser Schein ausgestellt wurde. Es gibt nur einen Schein der datiert ist. Es ist der Schein von Hans Reich.

Es konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werde wie der Informationsstrom zu den Angehörigen verlief das es sich bei den Hingerichteten ja nicht um den Normalfall handelt. Die meisten Angehörigen wurden aber wohl von der Deutschen Dientstelle, über das Schicksal ihres Angehörigen in Kenntnis gesetzt. Dabei wurde dann der Totenschein des Roten Kreuz in Genf mitgeschickt. Die noch vorhandenen Reste der damaligen Post im Fall Miegel, Wittsack und Schulz weisen darauf hin.

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Bestattungsliste Bestattung Friedhof Henri-Chapelle ICRC Genf. Quelle: Archiv Internationales Rote Kreuz Genf.

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Deutscher Soldatenfriedhof Lommel, Belgien. Foto: © Wolfgang Stienes.

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Die drei Kameraden wurden so nebeneinander begraben wie sie erschossen wurden. Foto: © Wolfgang Stienes.