Eindhovens Dagblad, Mittwoch 11. März 2009

„Ältere Menschen verstehen manchmal nicht, warum ich mich mit deutschen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg beschäftige. „Warum suchst du keine vermissten niederländischen Soldaten?“, fragen sie dann. Meine Antwort ist unkompliziert: „weil zu wenig für all die deutschen Kriegsopfer getan wird, weil sich fast keiner um sie kümmert. Auch sie waren Menschen. Ein Kriegsopfer ist ein Kriegsopfer. Ich bin nicht mehr Pro- oder Anti-Deutsch wie jeder andere.“

Der 39 jährige Richard Schoutissen aus Deurne ist sich der Tatsache bewusst, dass er ein merkwürdiges Hobby hat, auch im Bezug auf sein Alter. Er findet – in den meisten Fällen auf Wunsch von Privatpersonen, manchmal auch Behörden – deutsche Kriegsopfer zurück.

Ein etwas außer Kontrolle geratenes Hobby, findet er selber. Seiner Frau zufolge eine Sucht, da er Tag aus Tag ein damit beschäftigt ist, wenn auch nicht körperlich, aber zumindest in seinem Kopf. Er arbeitet 20 Stunden pro Woche als Verwaltungsangestellter und ist den Rest der Woche Hausmann. Vor allem die zweite Tätigkeit lässt sich gut mit seinem Hobby vereinbaren. „Auch wenn ich mich mal am Kopf kratze, wenn die Kinder zu mir sagen: „Papa, was sind wir doch wieder lange auf dem Friedhof herumgelaufen!“

Schoutissen hat sich immer schon für den zweiten Weltkrieg interessiert. Seine Faszination für deutsche Soldaten und deren Geschichte fing vor dreizehn Jahren an, nachdem er als neuer Bewohner von Deurne den deutschen Kriegsfriedhof in Ijsselstein besucht hatte. „Ich kam mit einer älteren Dame ins Gespräch, die am Grab ihres Vaters stand. Sie wollte seine Lebensgeschichte schriftlich niederlegen, wußte aber nichts über ihn. Da habe ich für sie Nachforschungen angestellt und das fand ich ungemein interessant.“ Schoutissen hatte u.a. Kontakt mit der „Weltkriegsopfer-Organisation“ und der „Interessen Gemeinschaft“, wo er auch Mitglied wurde. „Ich behandele für diese Organisationen Anfragen aus den Niederlanden. Oft geht es um Privatpersonen, die auf der Suche nach einem vermißten deutschen Soldaten sind, aber auch Behörden und andere Organisationen melden sich bei mir. Die kanadische Regierung zum Beispiel hat mich vor Kurzem noch gebeten einen deutschen Soldaten zu finden, der in Polen gefallen ist.“

Die Bergungs- und Indentifizierungsbehörde der königlichen Landmacht schaut auch regelmäßig bei mir rein. Und aus den Vereinigten Staaten kam eine Anfrage, einen Deutschen zu finden.“ Ob sein Hobby ein Ende hat? Er zeigt uns ein Buch mit Fotos von 8000 vermissten Soldaten. „Es gibt 40 dieser Bücher. Es sind noch tausende Soldaten begraben. Bis jetzt sind von 440.000 Soldaten auf 14.000 Friedhöfen die Daten bekannt.“

Manche Menschen ihm seine Nachforschungen nicht, das hält Richard Schoutissen nicht davon ab, weiter zu machen. „Nach so vielen Jahren sollte man doch darüber sprechen können, dass in Deurne 145 Deutsche gefallen sind.“